Was heißt es ein Daoist zu sein? Wie wird man Daoist?

 

Wie andere Glaubensrichtungen hat der Daoismus auch gewisse Regeln und Werte, an denen sich seine Anhänger orientieren und nach denen sie leben. Diese Regeln sind im Gegensatz zu anderen Religionen nicht in einem Buch festgehalten, sondern sind die Gesetze der Wissenschaft. Physik, Chemie, Biologie, Mathematik und die Natur sind die Vorbilder und Lehrmeister der Daoisten. Es geht einzig darum, das System, die Zusammenhänge und die kausale Kette des Universums zu verstehen und anwenden zu können. Dieses Verständnis zu erlangen eifern Daoisten nach. Das ist ihre Lebensphilosophie. Das Universum zu verinnerlichen und zu verstehen bedarf es vieler Jahre Übung und Erfahrung. Ein weiterer großer Unterschied zu anderen Glaubensrichtungen oder Lebensphilosophien ist, dass es im Daoisus keinen Zwang gibt, keine bekehrende Tätigkeit, kein "du musst die Regeln befolgen". Jedem Menschen ist es frei gestellt, an welchen und an wie vielen Regeln er sich orientiert. Dementsprechend sieht der selbstgewählte Weg des eigenen Lebens aus. 

Die Lehre des Daoismus basiert auf drei Säulen: Gesundheit, Weisheit und Ewigkeit. Um diese Stufen nacheinander zu erreichen, üben Daoisten geduldig und studieren die Wissenschaften.
In einer Lehrer-Schüler-Beziehung werden das Wissen und die Regeln des Daoismus traditionell an Auserwählte weitergegeben. Um Daoist zu werden, bedarf es auch einiger Eigenschaften. Ein warmherziger Charakter und ein Geist voller Liebe sind die Grundvoraussetzungen eines Daoisten. Wenn der Lehrer einen Schüler als den seinen akzeptiert hat, gibt er ihm anhand seines Charakters und seiner Fähigkeiten zwei neue, daoistische Namen. Die Namen setzten sich aus mehreren Teilen zusammen und beschreiben den Menschen und geben ihm eine Identität sowohl innerhalb als auch außerhalb einer daoistischen Gemeinschaft.

Daoisten weltweit und der Verein "Internationale Gesellschaft für Daoismus e. V." fördern und unterstützen die Verbreitung des Daoismus in allen Teilen unserer Erde.


 

Die 10 Regeln eines Daoisten: 

 

  1. Behalte Treue gegenüber deinen Eltern in materieller und immaterieller Form.
  2. Ehre deines Lehrer, sei ihm dankbar.
  3. Sei anderen Menschen gegeüber hilfsbereit.
  4. Bewahre innere Ruhe und Stille. "Zähne zusammen beißen", durchhalten und nicht direkt in schwierigen Situationen oder Problemen davon laufen, sondern an sich arbeiten. Emotionale Höhepunkte egal welcher Natur, besonders durch Genussmittel vermeiden.
  5. Stehle nicht.
  6. Versuche Streit zu vermeiden
  7. Lüge nicht.
  8. Sei nicht überheblich, sondern bescheiden.
  9. Lebe sparsam und teile deine Schätze mit anderen.
  10. Sei mutig und handle gegen Schlechtes.

 

Allgemeine Regel der drei Stufen für Daoisten: 

 

Untere Stufe:

  1. Sei frei von Wünschen.
  2. Sei zufrieden mit dem was du bekommst.
  3. Lasse bei guten und angenehmen Sachen anderen den Vortritt.

Mittlere Stufe:

  1. Alles, was du machst, soll aus deinem Herzen kommen. Benötige keinen Anlass oder Grund, um etwas zu tun. Aber verolge mit dem, was du machst immer ein Ziel.
  2. Behalte immer einen klaren Kopf (qing) und einen ruhigen Körper (jìng) bewahren. "Kopf klar, Herz ruhig."
  3. Wenn du etwas Gutes tun kannst, tue es. Egal wie groß das Ausmaß und der Aufwand ist, kleine sowie große Dinge.

Höchste Stufe:

  1. Wenn du etwas tust, sollst du keinen Anlass oder Grund brauchen, um es zu tun. Und tue es selbstlos, ohne ein Ziel zu verfolgen.
  2. Hab Geduld mit allen Dingen.

 

Daoistische Gedanken in Deutschland

 

Ein deutsches Märchen beschreibt eindrücklich einen der wichtigsten Werte im Daoismus: mehr geben als zu nehmen. Vielleicht ist das Märchen auch angeknüpft an die Aussage Sokrates': "Je weniger einer braucht, desto mehr nähert er sich den Götter, die gar nichts brauchen". Ein grundsätzlich daoistischer Gedanke. Das Märchen beschreibt auch die Folge des Wenig- oder Nichtsbrauchens - wer weniger braucht hat im Endeffekt mehr. 

"Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld. Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: “Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.” Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: “Gott segne dir’s,” und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: “Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.” Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: “Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben,” und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin. Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag."

 

Sterntaler von den Gebrüdern Grimm


 

Das Lehrer-Schüler Verhältnis

 

Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem westlichen Ausbildungssystem und der traditionellen chinesischen Ausbildungsart. Hier spielt der Faktor der Verantwortung, den ein Lehrer für seinen Schüler übernimmt eine große Rolle. Im westlichen System spielt die Verantwortung darüber, ob ein Schüler viel oder wenig lernt eher eine unter geordnete Rolle. Die Verantwortung, ob ein Schüler oder Student etwas lernt und damit die Chancen auf eine gute Ausbildung und später einen guten Beruf erhöht, bleibt in der Regel beim Lernenden, was die Erfolgsquote oft niedriger werden lässt. Hier wird der Lehrer in der Regel nicht zur Verantwortung gezogen, wenn ein Schüler nicht das Soll erfüllt. Auch kann ihm theoretisch egal sein, was mit dem Schüler nach Beendigung der Ausbildung geschieht. Sobald die Ausbildung zu Ende ist, endet auch meistens der Kontakt zwischen Lehrer und Schüler, da der Schüler die Schule oder Uni verlässt. Das Verhältnis bleibt also eher anonym. Persönliche Erfahrungen des Lehrers, die dem Schüler außerhalb des Faches weiter helfen könnten werden, wenn überhaupt nur selten weitergegeben.

Bei dem chinesischen Ausbildungsstil ist dies anders. Es existiert eine enge Verbundenheit zwischen Lehrer und Schüler. Meistens ist die Verbindung auf geistiger Ebene enger als zu den eigenen Eltern. Man sagt, das Blut gehört den Eltern, aber der Geist dem Lehrer. Nach den traditionellen Regeln ist diese Verbindung praktisch nicht zu lösen und besteht ein Leben lang. Auch steht der Lehrer in der Verantwortung seinem Schüler so auszubilden, dass dieser ihm ebenbürtig wird. Er soll dem Schüler eine Zukunft bieten, einen guten Job zu finden, oder ihn zu gutem Ansehen verhelfen. Der Schüler wiederum kümmert sich aus Dankbarkeit ein Leben lang um den Lehrer und sorgt dafür, dass es ihm gut geht.

Kommt der Lehrer an seine Grenzen dem Schüler nichts mehr beibringen zu können, sucht er einen anderen, besseren Lehrer für seinen Schüler. Das gehört ebenfalls zum Verhaltenskodex in diesem Ausbildungssystem. Dieses Verhalten resultiert aus dem Verantwortungsbewusstsein zu dem sich der Lehrer entschieden hat, als er den Schüler in seine Obhut nahm. Der Lehrer unterstützt den Schüler also nicht nur in der Wissensausbildung, sonder auch in seiner Persönlichkeit und seinem Verhalten.

Die Art des „Unterrichts“ ist auch unterschiedlich gegenüber der westlichen Methode. Während die Schüler im westlichen Ausbildungssystem Fakten vermittelt bekommen, muss der Schüler im chinesischen System die Dinge selber durch tägliches und wiederholtes Training erlernen. Dieses Training endet nie. Auch wenn der Schüler vielleicht schon zum Lehrer geworden ist. Nur kann er dann den Weg selber sehen und ihn alleine gehen. Die Aufgabe besteht darin das erlernte Wissen weiter zu entwickeln.

 

Internationale Gesellschaft für Daoismus e. V.

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40667 Meerbusch

 

Tel: +49 21 32 / 69 20 979

Fax: +49 21 32 / 69 20 603

 

email:dao.info@yahoo.com

web: www.igd-ev.de

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