Die Merkmale der traditionellen chinesischen Kultur

 

Die traditionelle chinesische Kultur hat eine lange Geschichte. Sie reicht über 2000 Jahre zurück. Ein großer Unterschied zur westlichen Kultur ist die Art und Weise Wissen weiterzugeben.


Das traditionelle Ausbildungssystem in China

Das traditionelle Ausbildungssystem Chinas verfolgt das Meister-Schüler-Prinzip. Die Weitergabe von Wissen oder Fertigkeiten unabhängig von Beruf und Stand wurde immer von einem Meister oder Lehrer an seine Schüler in einer speziellen Form weitergegeben. Dabei haben längst nicht alle Schüler des Meisters alles von ihm erfahren. Nur diejenigen, die er für die Besten hielt bekamen sein Wissen „vererbt“. Um herauszufinden, ob ein Schüler geeignet war dieses Wissen zu empfangen unterzog der Meister seine Schüler immer wieder Tests und Prüfungen um am Verhalten und Antworten auf Fragen und Aufgaben zu erkennen wie gut der Schüler war. Diese Überprüfungen waren aber keine angekündigten Prüfungen, sondern der Meister überprüfte aus Situationen heraus wie der Schüler sich verhielt. Auch das Ergebnis wurde nicht mitgeteilt. Hatte der Schüler genug Liebe in sich und war warmherzig und fleißig, so bekam er seinen Lohn: Das Wissen seines Meisters. Entweder erhielt der Schüler das Wissen und konnte in seinem Stand aufsteigen oder er erhielt das Wissen nicht und blieb ungebildet und konnte dementsprechend wenig in seinem Leben erreichen.
Diese Art der Wissensweitergabe wurde in sämtlichen Berufen/Ausbildungen durchgeführt. Ob es sich um einen Mönch handelte, der auf der Suche nach Erleuchtung war oder die Kampfkunst des Kung Fu erlernen wollte, oder deinem Bauern, der lernen wollte sein Feld gut zu bestellen oder einen Arzt, der in die Geheimnisse der Medizin eingeweiht werden wollte. Alle Schüler hatten einen Lehrer oder Meister. Dabei kann man sagen, dass nicht jeder gute Lehrer nur gute Schüler hatte – wohl aber muss ein guter Schüler einen guten Lehrer haben. Und wer etwas erreichen wollte und im System aufsteigen wollte, musste zuerst einen guten Lehrer finden, der ihm den Weg zeigt.
Viele gute Lehrer waren bekannt und wenn man bei ihnen gelernt hatte hatte man besser Chancen eine gute Arbeitsstelle zu finden. Es war immer die Person interessant bei der man gelernt hatte. Hatte sie einen guten Ruf hatte der Schüler auch fast schon einen guten Ruf.
Durch diese Methode wurde der Kern der chinesischen Kultur in allen Bereichen über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegeben.


Das Ausbildungssystem der westlichen Welt

In der westlichen Welt spielt nicht die einzelne Lehrerperson eine Rolle, sondern eher die Institution an der man lernt. Es wird nicht danach gefragt von wem man sein Wissen erhalten, sondern wo man es erhalten hat. Es wird immer gefragt, wo hat man studiert, an welcher Uni, in welcher Stadt. Bei welchem Dozenten oder Lehrer man Unterricht hatte ist eher nebensächlich.

Seit ca. 100 Jahren hat dieses Ausbildungssystem auch Einzug in China gehalten. Angefangen hat es in der Zeit zwischen dem letzten Kaiser und der Zeit der kommunistischen Partei. Zu dieser Zeit herrschte für eine kurze Zeit Demokratie in China, sodass Ausländer aus den westlichen Ländern nach China kommen konnte und ihren Einfluss verbreiteten.
Die Professoren und Leiter der Universitäten in China bekamen mehr Macht und tauschen das das traditionelle Modell zum größten Teil gegen das moderne, westliche Modell ein.  So wurden alle wissenschaftlichen Lehren in Form der westlichen Variante vollzogen. Nur handwerkliche Fertigkeiten und die Künste der Traditionellen Chinesischen Medizin wurden weiterhin im alten System gelehrt.

Die verlorene Generation

Zur Zeit der Kommunistischen Partei (Mao Zedong) wurden viele Mönche und Daoisten getötet. Religion und Glaubensrichtungen, die nicht dem Parteiprogramm entsprachen wurden verboten. Durch die Ermordung vieler gelehrter Daoisten, die die Rolle der Meister und Lehrer in dem System einnahmen war die Weitergabe des Wissens um die Medizin und andere Richtungen des Daoismus stark eingeschränkt. Durch das Auslöschen fast einer ganzen Generation verlor sich vielerorts die Jahrtausende alte Kultur und Tradition.
In dieser Zeit wurden fast alle Schulen in China geschlossen und deren Lehrer öffentlich an den Pranger gestellt. An den Universitäten durften nur politische Fächer gelehrt werden, die von der kommunistischen Partei bestimmt wurden.
Nach dem Tod Maos, ca. 1980, lockerte China wieder die Landesgrenzen und eine verbesserte Ein- und Ausreise war wieder möglich. Die politischen Restriktionen wurden gelockert und kleine Reformen hielten Einzug. Durch diesen Wandel änderten sich auch die geistigen Grenzen der Bevölkerung. Die Menschen durften sich wieder für ihre Herkunft, ihre Wurzel und ihre Traditionen interessieren und taten dies auch. Leider gab es aber nur noch wenige Menschen im Land, die etwas von den alten Traditionen und der Kultur vor der Kommunistischen Partei verstanden, und die damalige Kultur kannten. Von daher ist es leicht nachzuvollziehen, dass vielen, vor allem jüngeren Chinesen die alte Kultur relativ fremd und nur schwer verständlich war. Diejenigen, die die Werte und die Geschichte/Kultur ihre Volkes noch verhältnismäßig gut kannten und auch verstanden, waren meist Ärzte der klassischen Traditionellen Chinesischen Medizin oder Mönche und Anhänger der traditionellen Kampfkunst. Im Vergleich zu den früheren Generationen der Daoisten war der Wissensstand aber eher dürftig. Die TCM beispielsweise wird an den Universitäten des Landes von Dozenten gelehrt, die die Geheimnisse der traditionellen Kultur selbst gar nicht mehr kennen. Sie und auch ihre Schüler müssen viel weniger aus den Bereichen Physik, Chemie, Astrologie und anderen Naturgesetzen wissen als ihr Vorgänger. Deswegen liegt es nicht fern, dass die Anwendung und die Erfahrung bei Weitem nicht dem entsprechen wie es früher der Fall war, als das Meister/Lehrer-Schüler-Prinzip noch intakt war.

Die Folgen und der Ruf

Aus den Reihen der Kampfkunst wurde Qigong populär und viele behaupteten sie seien Qigong-Meister. Die Wahrheit aber leider ist, dass viele dieser Menschen nur gut in dem Teil der körperlichen Übungen waren. Den Rest, die Spiritualität, Meditation und die ganze dahinter stehende Theorie kannten sie nicht, denn diese war ja mit der Ermordung der Meister verloren gegangen worden.
Durch die Lockerung der Ein- und Ausreisegesetze konnten mehr Ausländer nach China einreisen und mehr Chinesen in den Rest der Welt gelangen. Dies brachte leider mit sich, dass das „Halbwissen“ über die Traditionen, insbesondere der Medizin schnell verbreitet wurde. Viele Mediziner reisten nach Peking nahmen dort einige Monate an Akupunkturseminaren oder Schulungen für TCM teil und hielten sich für Meister und Könner dieser Methode. Durch solche „Betrüger“ geriet die alte chinesische Medizin in Verruf. Dank dieser Umstände entbrannte in den letzten Jahren in China eine Diskussion darüber, die traditionelle Medizin abzuschaffen oder gar zu verbieten.
Objektiv betrachtet ist die Theorie der Traditionellen Chinesischen Medizin einzigartig und wissenschaftlich. Die meisten ihrer Praktizierenden allerdings verstehen sie nicht, benutzen sie um in eine falsche Richtung zu gehen und möchten nur schnell viel Geld verdienen. Durch ihre fehlerhafte Anwendung bringen sie nur negativen Einfluss. Es muss daher wieder ein Kontrollsystem geschaffen werden, um nur gute, ehrliche Therapeuten in dieser Branche arbeiten zu lassen. Betrüger und Scharlatane sollen keine Chance haben die Traditionelle Chinesische Medizin weiter negativ zu belasten und sich als jemand auszugeben, der sie nicht sind.
Es gibt nichts, was nur schlecht ist und nichts, was nur gut ist. Anfänglich fördern solche Menschen die schnelle Verbreitung und Bekanntheit einer Idee oder Methode, aber langfristig schaden sie ihr. Die Theorie der chinesischen Medizin ist ziemlich komplex und schwer zu erlernen. Ihre Praxis hingegen besteht aus leichten Techniken, die auch ohne große Vorkenntnisse angewendet werden können. Daher gibt es viele, die die Theorie nicht besonders gut lernen nur ein bisschen Akupunktur oder Schröpfen anbieten, und durch ihr Unwissen der Traditionellen Chinesischen Medizin schaden. Wenn es aber darum geht Wissen unter Beweis zu stellen und wahre Inhalte und Phänomene zu erklären geraten diese Menschen schnell in Situationen, die sie und damit auch ihre Branche als unseriös und unwissenschaftlich erscheinen lassen.

 

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